Leberfleck, Lässigkeit & Lesebrille: 33 Dinge, die ich an Eurem Papa liebe

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Juli 2015: Zum ersten Mal sitzt Ihr auf der Wiese, auf der Eure Eltern geheiratet haben

Liebe Zwillis,

es gibt Momente mit Euch, da möchte ich gern die Zeit anhalten. Einfach kurz auf Pause drücken in diesem Film, der sich Leben nennt, das Bild einfrieren und ohne Lösch-Option auf der Kopf-Diskette speichern. Diese Woche gab es wieder so einen Moment:

Montagmittag, auf einer großen Wiese 700 Meter oberhalb des Lago Maggiores. Ihr sitzt unter dem großen Nussbaum und interessiert Euch nicht für den Spielzeugberg, der neben Euch liegt. Ihr guckt einfach durch die Gegend und betrachtet alles ganz genau. Die vorbeiflatternden Zitronenfalter, die Bienen auf dem wilden Thymian, die riesigen Ameisen, die über Eure Füße krabbeln. Wäre es nicht völliger Quatsch, würde ich meinen, Ihr versteht, dass diese Wiese hier nicht irgendeine Wiese ist: es ist der Ort, an dem Eure Mama und Euer Papa geheiratet haben – und jetzt sind wir zum ersten Mal zu viert hier.

Wir sind hergekommen, um unseren dritten Hochzeitstag zu feiern. Der war vorgestern und verlief ehrlich gesagt mehr rumpelig als romantisch: wach um sechs statt pennen bis in die Puppen, Spiele- statt Schmuse-Nachmittag, Chaos- statt Candlelight-Dinner.

Und trotzdem hat sich der weite Weg gelohnt, denn Ihr hattet schon Recht mit Eurem andächtigen Dasein auf der Wiese: dieser Ort ist WIRKLICH etwas Besonderes. Als Euer Papa und ich vor vier Jahren das erste Mal Hand in Hand über diese Wiese liefen, war sofort klar: DAS ist DIE Location für’s JA. Einige Bewohner des bezaubernden Bergdörfchens behaupten, es gebe ein energetisches Band, das genau durch ihre Gemeinde führt, und dass deshalb bei vielen die Emotionen ganz besonders hochkochen.

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Juli 2012: Eure Mama am Tag der Hochzeit – ebenfalls unter dem großen Nussbaum

Ob das stimmt oder nicht: Irgendetwas geschieht hier tatsächlich mit Eurem Dad und mir. Es werden Zeiten kommen, da findet Ihr diese Vorstellung vermutlich fies: An unserem Ankunftsabend haben wir geknutscht wie 15-jährige Teenies, stundenlang, unterm Sternenhimmel und bei Kerzenschein. Kitsch-Alarm, aber nach dem Zoff, von dem ich Euch in meinem ersten Brief erzählt habe, tat das ziemlich gut. Es tat so gut, weil es mich wieder daran erinnert hat, was ich an Eurem Papa so liebe. Sich diese Details in Erinnerung zu rufen, das ist, wie ich inzwischen glaube, ein Muss für alle Neu-Eltern nach dem ersten Babyjahr; für Zwillingsmamas und -papas umso mehr.

Das Schöne ist: es kommen dabei nicht nur die alten Kamellen hoch, die man schon beim Kennenlernen und/oder seit Jahren gut findet, durch Euch tauchen noch ganz neue Aspekte auf. Einige neue und alte will ich Euch deshalb heute aufschreiben. Meine ungeordneter 33-Punkte-Auszug aus Hunderten weiteren:

Ich liebe Euren Papa…

  1. …für seine zwei Muttermale an den Schläfen rechts und links, die nicht nur symmetrisch sind, sondern zufällig an exakt den gleichen Stellen wie meine beiden.
  2. …dafür, wie er Euch die Welt erklärt, zum Beispiel letzte Woche, als Ihr das erste Mal mit einem Schiff fuhrt.
  3. …für seinen grünen Daumen, weil ohne ihn keine unserer Pflanzen länger als drei Tage überleben würde.
  4. …für sein Machosein, das manchmal grenzwertig und schrecklich eifersuchtserregend ist, aber ohne das er mich nie erobert hätte.
  5. …dafür, dass er Geschenke verpackt und verziert wie kein anderer Mann dieser Welt und mir Kuchen mit weißer Schokolade zum Geburtstag backt.
  6. …für seinen Bart, der im Sommer an einer bestimmten Stelle zwischen Ohr und Kinn immer so köstlich riecht.
  7. …dafür, wie er Euch ausgerechnet mit einem Kirchenlied in den Schlaf summt, obwohl er mit Kirchen eigentlich so gar nix am Hut hat.
  8. …weil er mir Jeans kaufen kann, die mir ohne Anprobe perfekt passen, während ich selbst immer durch 127 Geschäfte laufen muss, um eine zu finden.
  9. …für seine Stimme, mit der er eigentlich Radiomoderator (oder sowas) hätte werden müssen.
  10. …dafür, dass er mit 220 über die Autobahn brettern kann, ohne dass ich dabei auch nur ein einziges Mal Angst hatte.
  11. …für seine Lässigkeit, mit der er mir so oft die Sorgen um Euch nimmt und das vermutlich selbst dann könnte, wenn Ihr 43 Grad Fieber hättet.
  12. …dafür, dass er so gut Fleisch brät, dass es zu Hause in neun von zehn Fällen besser schmeckt als beim Sternekoch.
  13. …für seine Hände, die einfach immer aussehen wie frisch manikürt, ohne dass er ein einziges Mal in seinem Leben bei der Maniküre war.
  14. …dafür, wie liebevoll er Euch abends das Buch mit der kleinen Ente vorliest.
  15. …für seine Liebe zur Fotografie, auch wenn seine 38 alten Kameras den ganzen großen Schrank im Arbeitszimmer blockieren.
  16. …dafür, dass wir seit neun Jahren jeden Abend Arm in Arm einschlafen.
  17. …dafür, dass wir seit neun Jahren jeden Morgen exakt so aufwachen.
  18. …für seine selbst gemachten Pelmenis, die auch Ihr eines Tages lieben werdet.
  19. …dafür, dass wir die schönsten Spitznamen, unsere eigene Sprache und sogar ein Gesetz haben.
  20. …dafür, dass er bei Technikdingen IMMER behauptet, das ginge nicht – um es drei Minuten später doch hinzukriegen.
  21. …für seine Lesebrille, die ich erst so spießig fand und jetzt sehr sexy.
  22. …dafür, dass er mir Gerberas schenkt statt rote Rosen; früher zwei, heute vier: eine für jeden von uns.
  23. …dafür, dass er nie unangenehm wird, wenn er Alkohol trinkt, eher anhänglich und säuselig.
  24. …dafür, dass er keinen Sport perfekt, aber alles ein bisschen beherrscht: So wird er Euch alles zeigen können. Nur Ballett, Elli, könnte schwierig werden.
  25. Apropos zeigen: Theo – DIR kann er all diese Männer-Dinge beibringen, die inzwischen jeder zweite Typ nicht mehr kann: Holz hacken, Feuer machen, Lampen anbringen, Schränke aufbauen (denn auch darin ist er gut).
  26. …für seinen Rhythmus beim Tanzen mit Hickhack-Taktik; eines Tages wisst Ihr, was ich meine.
  27. …dafür, wie man mit ihm um die Häuser ziehen kann – und dass wir zusammen so gern Partys schmeißen.
  28. …dafür, wie er mir abends auf der Couch die Füße massiert.
  29. …dafür, dass er beim Autofahren 89 Strophen „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ mit mir singt, um Euch zu beruhigen.
  30. …dafür, dass er mich überredet hat, Euch bei langen Fahrten „Peppa Wutz“ auf dem iPad gucken zu lassen. Damit ist Ruhe im Karton und Pause für die drei Chinesen.
  31. …für seinen Klamotten-Style, den selbst „Man-in-Black“ Will Smith höchstpersönlich mal lobte.
  32. …dafür, dass er gestern unsere goldene Hochzeit plante.
  33. …dafür, dass wir vor einem Jahr und neun Monaten im Tenerifa-Urlaub auf das Blümchen in der Nachwuchsplanungs-App gehört haben.

Tja, und damit schließt sich der Kreis: denn dieser Moment ist – im Nachhinein betrachtet – die unangefochtene Datei Nummer 1 im Zwilli-Ordner der Kopf-Diskette: der Moment, ohne den es Euch nicht gäbe. Vergesst die Punkte 1 bis 32: wie sehr ich Euren Papi und das Leben für diesen letzten Punkt liebe, ist mehr wert als alles andere und nicht in Worte zu fassen.

Bis nächste Woche!

Eure Zwillimuddi

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