Wieso der Osterhase Euch die dicksten Eier bringen soll

Liebe Elli, lieber Theo,

wisst Ihr noch…? Vor ziemlich genau einem Jahr urlaubten wir mit Eurem Kumpel Ferdi rund um die Ostertage am Gardasee. Ich gab mir nach diesem Roadtrip damals wirklich mittel- bis ziemlich große Mühe, jedes auch nur minimal positive Fitzeldetail aus den gemeinsamen Familienferientagen zu kitzeln, aber offen gestanden und im Rückblick betrachtet war dieser Urlaub vermutlich der anstrengendste überhaupt in meinem ganzen Leben, im Anschluss war ich jedenfalls eher mehr als weniger reif für die Insel als vorher.

Damals lief einfach schief, was nur schief laufen kann, und Ihr befandet Euch in einer dieser „Phasen“, die das elterliche Nervenkostüm ähnlich behandeln wie Elefanten im Porzellanladen das Inventar. Aber da Ferdis Eltern und Euer Dad & ich ein gutes Team und nicht so schlecht darin sind, Schlamassel mit inzwischen sehr Insider-geschwängertem Humor auszugleichen, wagten wir es dieses Jahr erneut.

Wieder packten wir unser Auto bis oben hin voll, wieder düsten wir zu Siebt gen Süden, wieder landeten wir am Lago, dieses Mal an dem, wo Eure Eltern sich vor einem halben Jahrzehnt (!) das Ja-Wort gaben. Wir hatten uns ein Ferienhaus gebucht und waren damit immerhin ein wenig besser vorbereitet als bei der letzten Tour, bei der wir teils nachmittags noch nicht wussten, wo wir abends unser Nachtlager aufschlagen würden. Mit einem eigenen Garten wäre es doch sicher entspannter als in dieser spießigen Hotelanlage, in der wir ständig den Atem anhielten, als Ihr auf noch leicht unsicheren Beinen um gläserne Vasen und den ungesicherten Pool herumwackeltet.

Worauf wir also eingestellt waren: bisschen mehr Erholung als im Frühling 2016. Aber dass es SO easy würde?? Das, so betonte es Ferdi-Mama Lotte auf einer Postkarte, ist jetzt kein Scherz:

Ihr drei Kids wart dauerlieb, 24/7 sozusagen. Es gab nicht eine einzige Situation, in der einer von Euch ungenießbar wurde, nicht eine Scheiß-Nacht, nicht einen einzigen ernsthaften Streit um irgendein Spielzeug, nicht eine vollständige Minute Gemecker, weder Bock-Anfälle noch sonstige Ausraster oder Desaster.

Stattdessen hattet Ihr eine Gute-Laune-Flatrate im Gepäck. Ihr erkundetet zusammen die Hütte und den Garten. Buddeltet im Sand am See. Tolltet über Spielplätze. Flitztet mit Euren Laufrädern über Uferpromenaden. Teiltet Eure Gelatis ungefragt und gönnerhaft. Last Euch gegenseitig Bücher vor (oder tatet zumindest so). Mittags schlieft Ihr mindestens zwei, manchmal sogar drei Stunden, was zur Folge hatte, dass Müdigkeit abends keine Rolle spielte, wenn es im Restaurant mal länger dauerte. Dann ranntet Ihr halt dort um die Tische und Euch so müde, dass Ihr gegen zehn groggy ins Bett fielt und das Einschlafprozedere die Dauer von 90 Sekunden nicht überschritt. Die Krönung: Damit verschwandet Ihr für rund elf Stunden im Schlummerland, die Rollläden blieben morgens demnach in der Regel bis 9 Uhr unten.

Logische Konsequenz Eures fast etwas gruselig-guten Verhaltens: wir vier Erwachsenen – tiefenentspannt. Die Männer daddelten oft in der Küche so vor sich hin, bekochten und begrillten uns Muddis Espresso oder Bier trinkend mit diversen Köstlichkeiten, während Lotte und ich tratschend/lesend/schlafend in der Sonne lagen, denn auch das Wetter meinte es jeden einzelnen Tag gut mit uns. So plätscherten die Vormittage vor sich hin, nachmittags machten wir irgendeinen Ausflug, wohin – das spielte kaum eine Rolle; war ja irgendwie immer und überall schön mit so zufriedenen Vorzeigekindern wie Euch.

Apropos: Mein letzter Brief ist schon wieder so lange her, dass sich die Liste, was Ihr inzwischen alles so auf dem Kasten habt, so lang geworden ist, dass sie gar nicht mehr in meinen Kopf passt. Auch das müsste ich also dringend einmal aufschreiben. Aber für heute belasse ich es bei der angeberischen Ferienlobhudelei, und zeige Euch einfach noch ein paar Bilder dieser traumhaften Tage (der Alltagskram folgt dann bald, versprochen – kann ja nicht angehen, dass ich immer nur im Urlaub an Euch schreibe). Voilà:

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Hinfahrt: ohne besondere Vorkommnisse. Ein Übernachtungsstopp, null Gemecker bei Euch 3 da hinten auf der Rückbank.
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Zu eng für’s Auto, aber super für ne „lange Reihe“: die letzten 500 Meter zum Ferienhaus liefen wir zu Fuß durch die Gassen.
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Unsere „Casa Mamma“. Ich war in vergangenen Urlauben immer daran vorbeigejoggt und wollte schon länger mal hier hin.
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Keine fünf Minuten Fußweg entfernt von unserer Hütte: dieser Wasserfall. Ziemlich schön und besonders für Euch Stadtkids.
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Während Eure Eltern runterkamen, plündertet Ihr mit Ferdi die Spielekoffer, schautet zusammen Bücher an…
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…gingt im Garten und rund um das Häuschen auf Entdeckertour…
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…oder schuft große Kunstwerke.
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Glücksmoment in den Bergen: Umtrunk auf der Wiese, auf der Euer Papi mich heiratete. Lotte schrieb derweil Karten auf’m Schiff.
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Glücksmoment am See: Eure Großeltern kamen früher mind. einmal im Jahr mit mir und Eurer Tante her. Der Lago Maggiore ist und bleibt für mich…
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…DAS Paradies, was ich schätzungsweise 27 Mal am Tag betonen muss, wenn ich hier bin.
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Entspannte Zwillimuddi mit der Brille, die ich nie wieder tragen werde, weil die Ferdimuddi sie „pornomäßig und prollig“ findet. (Pfff.)

Hach, wenn ich die Urlaubsbilder auf dem iPhone so durchwische, werde ich ziemlich sehnsüchtig. Inzwischen haben wir die Supersonne nämlich wieder gegen Berliner Schmuddelwetter getauscht. Gestern Nachmittag, auf der Heimfahrt, machten wir Pause irgendwo im Nirdendwo, und spielten beim Verzehr völlig versalzener Pommes das gute, alte Top-3/Flop-3-Spiel, bei dem jeder seine Höhe- und Tiefpunkte des Urlaubs aufzählen muss. Und soll ich Euch was sagen? Mir fiel kein einziger Flop-Moment ein (das gab es noch nie). Muster und Geruch der Ferienhaus-Bettwäsche vielleicht, erinnerte mich Lotte, darüber hatten wir zwei uns an Tag 1 (nur unwesentlich übertrieben) aufgeregt. Was für ein Luxus, wenn so ein Mist, der an Tag 2 bereits vergessen war, das größte Problem ist.

Ein Freund, bei dem ich zwischendurch via WhatsApp mit Euch Wunderkindern prahlte, schrieb wenig beeindruckt zurück: „Mit den Kids wird es immer einfacher. In ein paar Jahren kommen sie nur noch zum Essen. Vielleicht.“

Diese Vorstellung fand ich schrecklich. Echt jetzt? Bitte nicht! Ich will genau diese Mischung: Ihr sollt spielen, aber zwischendurch immer wieder auf meinen Schoß klettern und mir feuchte Schlabberküsschen auf die Wange drücken. Ich will Euch begeistern können mit einem einfachen Schiffsausflug oder einem Wasserfall, und die freie Zeit gefälligst mit Euch zusammen verbringen, Sandkuchen am See backen und Salamander in der Sonne beobachten.

Dass es immer einfacher wird allerdings, das kann ich bestätigen. Und das ist toll. IHR seid toll! Ihr habt die dicksten Eier der Welt verdient, hoffentlich weiß der Osterhase das.

Frohe Ostern, meine Süßen!

Dicke Küsse von Eurer Zwillimuddi

 

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6 Gedanken zu “Wieso der Osterhase Euch die dicksten Eier bringen soll

  1. Das hört sich ja alles ganz wunderbar an :) In welcher Ecke am Gardasee treibt ihr euch denn immer rum? Wir wollen mit unserer Elli auch in drei Wochen Richtung See…hoffentlich wirds auch so entspannt!!

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    1. Am Gardasee waren wir 2016 das erste Mal – dieses Jahr wurde es doch wieder der Lago Maggiore, und hier liebe ich eigentlich so ziemlich jede Ecke. Wir sind meist am Westufer im oberen italienischen Teil. Wenn Du Tipps zu Unterkünften oder Ausflügen dort brauchst, meld Dich gern! Viel Spaß schon mal und einen schönen, entspannten Urlaub :-)

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  2. Danke, dass ist ja nett von dir 😊 Falls du Zeit findest, freue ich mich total über Tipps zum Lago Maggiore an meine Mail. Bisher haben wir dort noch nie das ‚richtige‘ Örtchen gefunden und haben uns dann doch wieder zum Gardasee aufgemacht 😉
    Liebste Grüße

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