Der Freitag, an dem eine Fete zum Fünften & Facebook uns zur Feuerwehr brachten

Liebe Elli, lieber Theo,

erwähnte ich schon mal, dass die Stunden, die Ihr in Eurem Leben bislang getrennt verbrachtet, sich in der Summe an zwei, maximal drei Händen abzählen lassen? Wenn ich das so aufschreibe, finde ich es selbst etwas verrückt und frage mich, wieso Euer Papi und ich uns nicht nicht längst mal für einen Tag, eine Nacht, ein Wochenende – was auch immer – so aufgeteilt haben, dass jeder von Euch mal die 100-prozentige Aufmerksamkeit eines Elternteils bekommt; aber tatsächlich hat es sich bislang irgendwie nie so richtig ergeben.

Am vergangenen Freitag gab es sie dann, diese „Gelegenheit“: Du, Elli, warst bei Deiner Kita-Freundin Emilia auf dem Kindergeburtstag eingeladen – Du, Theo: nicht. Emilia ist ein bisschen älter als Ihr und schon fünf geworden; ein Alter, in dem man als Mädchen offensichtlich anfängt, Jungs blöd zu finden, jedenfalls feierte sie ausschließlich mit Mädels, was natürlich vollkommen in Ordnung ist. Und trotzdem war es ein Thema bei uns zu Hause, seitdem in Deinem Garderoben-Fach die glitzernde Einhorn-Einladung gelegen hatte, Elli – und in Deinem, Theo, am gleichen Tag gähnende Leere herrschte.

IMG_1258
Dein Geschenk für Emilia, Elli. Bisschen unicorn-geprägt, aber Du hast das alles selbst ausgesucht, weil Emilia Einhörner so mag.

Wochenlang ging es auf und ab, Ihr zogt Euch ein bisschen gegenseitig auf. Dir, Elli, entfuhr ab und zu ein leicht fieses „Ätschibätschi, ich bin auf Emilias Party eingeladen, und Du-hu neeehicht“, aber Du, Theo, wusstest Dich ganz gut zu wehren: „Dafür habe ich einen ganzen halben Tag mit Mama alleine, und dann gehen wir in den Zoo, ohne Di-hich.“ Zwischendurch brachte Dich diese Vorstellung wiederum so zum Weinen, Elli, dass Du vier bis fünf Mal zu dem Entschluss kamst, leider nicht zu dieser Party gehen zu können. Rund 24 Stunden vor der Fete aber drehte sich der Spieß wieder. Du, Theo, schautest mich traurig an, fragtest mich, ob Du wohl auch eines Tages einmal ganz alleine auf einem Jungen-Geburtstag eingeladen werden würdest, und plötzlich spielte mein mitleidendes Mutter-Herz so verrückt, dass ich das Gefühl hatte, auf den Zoo-Besuch irgendwie noch eins drauf setzen zu müssen. „Hör zu, wir können ja auch schwimmen gehen, oder ins Aquarium“, schlug ich vor (ohne dass Du, Elli, es hörtest), und sprach weiter, ohne mein Gehirn in den Prozess einzubeziehen, „oder wir klettern einfach mal in ein echtes Feuerwehrauto.“

 

IMG_1229
Mein digitaler Hilferuf am Donnerstagabend.

Ich muss wohl nicht sagen, wie begeistert Du mich bei dieser Aussage ansahst, Theo – da hatte ich also den Salat. Es war Donnerstagabend, und ich hatte etwas versprochen, das ich mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit nicht würde halten können.

Dachte ich. Denn während gerade ja irgendwie acht von zehn Menschen über Facebook meckern was das Zeug hält, verliebte ich mich kurzerhand neu in die Möglichkeiten, die dieser digitale Freundeskreis so zu bieten hatten. Es war 20.30 Uhr, als ich halb-panisch, halb-verzweifelt in die Runde fragte, ob zufällig jemand einen Berliner Feuerwehrmann kennt, der mir morgen einen Gefallen tun könne – allerdings ohne wirklich daran zu glauben, dass mir dieser Hilferuf weiterhelfen würde. Um 20.48 Uhr, 18 Minuten später, schaute ich wieder auf mein Handy; und plötzlich hatte ich die Qual der Wahl: VIERZEHN Nachrichten waren da in meinem Messenger, von Menschen, die Feuerwehrleute im Freundes- und Familienkreis hatten, sogar von Feuerwehrmännern selbst.

IMG_1259
Du, Theo, im Glück.

Lange Rede, kurzer Sinn: Am Ende machte der Schwager von Kollege Anke das Rennen, der zwar selbst nicht im Dienst war am Freitag, uns dafür zu seinem ziemlich netten Kollegen Leroy schickte. Und der zeigte Dir, Theo, all die Dinge in diesem XXL-Feuerwehrauto, die Du aus Deiner Playmobil-Variante kennst: die Rettungsschere, die Kettensäge, die Schläuche, die Uniformen. Während Deine Augen immer größer, Dein Grinsen immer breiter wurde, fandest Du, Elli, mit den anderen Girls den Schatz des Grunewalds (samt rosa Lippenstiften, Dein Highlight).

Als Theo und ich Dich abholten, wart Ihr beide so unfassbar stolz – und hattet Euch so viel zu erzählen, dass wir die 45-minütige Autofahrt quer durch die Hauptstadt trotz fortgeschrittener Uhrzeit ohne Peppa Wutz & Co. bewältigten, Ihr erzähltet Euch von Euren Erlebnissen wie zwei alte Freunde, die sich Jahrzehnte lang nicht gesehen haben.

Für mich war der Nachmittag übrigens auch unvergesslich: Wenn man IMMER, und zwar wirklich IMMER zwei Kinder dabei hat (und es nie anders kennen gelernt hat), ist es ein ziemlich neues Gefühl, sich plötzlich nur um ein Kind zu kümmern. Du jonglierst auf einmal nicht mehr mit zwei Bällen, sondern musst sozusagen nur noch einen in die Luft werfen – und einer ist irgendwie keiner, oder? Merkt man kaum. Mal eben anhalten, einkaufen, schnell durch den Supermarkt flitzen, Kind halt eben kurz auf den Arm nehmen: mich überraschte dieses Freiheitsfeeling etwas, und gleichzeitig hatte ich echte Phantomschmerzen: nicht nur Theo fragte zwischendurch verdutzt, wo Du, Elli, denn seist, bevor es ihm Sekunden später lachend wieder einfiel – auch ich suchte mehr als einmal hektisch um mich blickend Sekundenbruchteile mein Kind Nr. 2.

Demnächst machen wir es mal andersrum. Ich habe Dir, Elli, versprochen, dass wir ein echtes Prinzessinnenschloss besuchen, nur wir beide. Nur die Protagonistin und Hausherrin, die suche ich noch.

Ich liebe Euch!

Eure Zwillimuddi

 

Advertisements

Ein Gedanke zu “Der Freitag, an dem eine Fete zum Fünften & Facebook uns zur Feuerwehr brachten

  1. Dieses „ein kind ist kein kind“-Gefühl kenn ich auch. Wenn der eine zwar wieder fit, aber noch nicht gesund genug um wieder in die kita zu gehen, und der andere in der kita ist, dann ist das fast wie urlaub 😉. Mit einem kind mal eben dieses oder jenes machen, gefühlt ist alles so einfach auf einmal 😃

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s