Wieso es super ist, keine Großeltern in der Stadt zu haben

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Männer links, Frauen rechts: Stadtspaziergang mit Oma und Opa.

Liebe Elli, lieber Theo,

diese Woche war Oma-Opa-Woche. Die Eltern Eures Papas waren sieben Tage zu Besuch, und Ihr hattet sie quasi ganz für Euch, habt so viel Zeit mit den beiden verbracht wie nie zuvor.

Wie sehr Ihr das genossen habt, muss ich wohl nicht sagen: Ihr habt schätzungsweise sieben Millionen Mal das Wimmelbuch zusammen angeschaut, Eure liebste Liederfiebel sozusagen kaputtgesungen, so oft war sie im Einsatz (ich werde sie kleben, keine Sorge), habt die zwei auf Eure Lieblingsspielplätze geführt, ihnen gezeigt, wie gut Ihr im Verursachen von Planschbecken- und Badewannen-Überschwemmungen seid und (bestimmt viel zu viel) Eis mit ihnen (und auf ihre Klamotten) geschlabbert.

Für mich hieß das: Freiraum für bestimmte andere Dinge. Am letzten Wochenende durften Euer Papi und ich auf eine Hochzeit nach Brandenburg, gefühlt tranken wir von Freitagabend bis Sonntagmittag Crémant und bemitleideten offen gestanden die Gäste ein wenig, die inmitten herrlich-beschwipster Feierstimmung Babybetten aufbauen, Windeln wechseln und/oder Brei füttern mussten. Dann der Montag: Ich war einfach mal wieder einen ganzen Tag in der Redaktion, habe so ganz ohne Zeitdruck eine Geschichte fertig geschrieben. Und gestern, da flog ich zu Eurem Cousin Henri, der seine Einschulung gefeiert hat, der große Junge (der eigentlich auch gerade noch ein Baby war).

Das Beste: Ich tat das alles nahezu ohne schlechtes Gewissen Euch gegenüber – denn ich wusste ja, dass Ihr bestens versorgt seid – so, wie das auch immer bei Euren anderen zweieinhalb Großelternteilen der Fall ist.

Wie Ihr inzwischen ja schon mitbekommen habt, lebt keine/r Eurer Omas und Opas in unserer Stadt. Das geht in Berlin ziemlich vielen Kids so, glaubt mir, und die meisten Eltern nervt das sehr: Wie gut es doch die haben, die ihren Familien so nah sind! Diese ganze Babysitterkohle, die man sparen könnte! Und überhaupt, mal jemanden zu finden, dem man sein Herzallerliebstes so bedingungslos anvertraut, gar nicht so leicht.

Aber soll ich Euch was sagen? Vielleicht hat es ja auch Vorteile, wenn die Großeltern mehrere Hundert Kilometer weit weg sind! Denn wenn sie immer hier wären, dann…

…wäre ihr Besuch vielleicht gar nichts Besonderes.

…könnten wir sie nie am „Ih-Zeh-Eh“ abholen.

…würdet Ihr vielleicht nicht im Ansatz so gut auf sie hören.

…kämen sie vielleicht immer nur auf einen Sprung vorbei, anstatt mehrere Tage konzentriert bei uns zu sein.

…wärt Ihr bestimmt nicht bereits um 19.00 Uhr (!) im Schlummerland, wenn Sie Euch ins Bett bringen.

Nein, es gäbe es vor allem abends ganz bestimmt mehr Probleme. Womöglich würdet Ihr mit ihnen ebenfalls bis zehn rumzaubern, so wie Ihr es mit uns tut?

Und morgens würdet Ihr bei ihnen keinesfalls bis um 9.30 Uhr (in Worten: neun Uhr dreißig. NEUN UHR DREIßIG! – habt Ihr bei uns noch NIE getan.) schlafen.

Vielleicht wäre auch alles gar nicht so harmonisch zwischen uns allen.

Könnte sein, dass wir jeden Sonntag Braten essen müssten.

Und Torte.

Oder gar Rote Grütze!

Sicher würden irgendwann selbst Wimmelbuch und Liederfiebel langweilig werden, oder die „großen Uhren“, die immer Tick-Tack machen, wenn Oma U. da ist, oder der Schotterwagen, den Ihr auf ihren Beinen fahren dürft.

Und Urlaub mit Opa C. und Patchworkoma L.? Den könnten wir uns dann ja auch sparen, wenn wir sie auch sonst immer um uns hätten.

Merkt Ihr was?

So sehr ich versuche, immer alles positiv darzustellen: Dieses Mal klappt es nicht. Die Argumente auf der Liste da oben: von oben nach unten zunehmender Humbug.

NATÜRLICH IST ES NICHT GROßARTIG, KEINE GROßELTERN IN DER STADT ZU HABEN.

Und zwar ganz abgesehen von dem kleinen Vermögen, das wir monatlich für Babysitter und Kinderbetreuung ausgeben. Denn:

1. vermisse ich ganz schön oft meine Mama, meinen Papa, auch ohne sie für irgendetwas Konkretes zu brauchen, und auch wenn Euer Vater viel zu cool ist, um es zuzugeben, ihm geht es sehr sicher genauso.

2. sind Eure Großeltern einfach die Euch engsten, nächsten Menschen neben uns: Sie wollen ebenso Euer Bestes wie Euer Papi und ich, lieben Euch bedingungslos und uneingeschränkt.

Und deshalb haben sie 3. das hundertprozentige Vertrauen Eures Dads und mir, und sind 4. schlicht die mit Abstand beste Deluxe-Betreuung, die man sich wünschen kann. Unbezahlbar und mit nichts zu vergleichen (so sehr wir unsere Babysitterinnen lieben und schätzen).

Tja, und deshalb ist es Mist, dass Oma und Opa heute wieder heimfahren. Das Tolle ist: Eure andere Oma hat sich für die Herbstferien angekündigt. Und wenn alles gut geht, ist Team Opa/Patchwork-Oma bereits nächste Woche wieder am Start.

Alles eine Frage der Organisation.

Ich liebe Euch!

Eure Zwillimuddi

 

 

 

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