24 Monate. 70 Wörter. Und neun weitere Dinge, die Ihr jetzt drauf habt

Liebe Elli, lieber Theo,

neulich Abend habe ich gemeckert. Ich muss sicher nicht nochmal sagen, wie blöd ich mich selbst finde, wenn ich laut werde – aber manchmal ist die pädagogisch wertvolle Art aus den Erziehungsratgebern einfach eine blöde Kuh, die vielleicht schön aussieht, wenn sie irgendwo weit da draußen auf einer grasgrünen Weide steht; nicht aber in eine Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung mitten in die Stadt passt.

Es war kurz nach dem Abendbrot, und wir waren wie immer runter ins Badezimmer gegangen. Ihr hattet Eure Windeln entsorgt, auf Euren Töpfchen Platz genommen, plappertet in Eurer süßen Insider-Sprache vor Euch her. Genug Zeit also für mich, um endlich den mal wieder maßlos riesigen Wäscheberg zu bezwingen. Ich leerte den Trockner, legte die frisch gewaschene weiße Wäsche zusammen, zumindest schon mal die Handtücher auf einen Stapel und die Bettwäsche, daneben die Hemden Eures Papas.

Dann kehrte ich Euch für ein paar Sekunden den Rücken, um die nächste Ladung in die Waschmaschine zu stopfen – ein fataler Fehler.

Denn als ich mich wieder umdrehte, da saßt Du, Theo, schon längst nicht mehr auf Deinem Töpfchen. Sondern auf dem (bis gerade noch) schneeweißen Wäscheberg. Neben Dir befand sich, oben auf und selbstverständlich JEDES einzelne Wäscheteil tangierend, ein brauner Haufen wie aus dem Bilderbuch (spontan musste ich an den kleinen Maulwurf denken, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat).

Tja, und dann ging die Meckerei eben los. Ob Ihr das denn nicht langsam verstanden hättet, blaffte ich. Wie man denn einen Meter neben das Töpfchen machen könne anstatt hinein. Und überhaupt sei das jawohl wirklich ganz und gar kein Grund zum Lachen (fandet Ihr schon).

Ich beseitigte die Schweinerei, während Ihr längst im Kinderzimmer mit wichtigeren Dingen (Du, Theo: Sommerwimmelbuch, Du, Elli: Teddy schon mal zudecken) beschäftigt wart, und dachte dabei: Mann. Ist es nicht Nervenverschwendung, sich über so einen (im wahrsten Sinne des Wortes) Scheiß aufzuregen?

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Eure kugelige Mama vor rund zwei Jahren.

Morgen werdet Ihr zwei. ZWEI, ist das zu glauben? Dafür, dass Ihr heute vor 24 Monaten noch um eine gemütliche Position in meinem damals XXXXL-Bauch kämpftet, könnt Ihr inzwischen einfach schon so verdammt viel. Diese Dinge will ich schon seit Wochen mal aufschreiben, denn irgendwie kommt gerade wirklich täglich etwas Neues dazu. Jetzt, zu Eurem morgigen Ehrentag, mache ich es also endlich mal (obwohl ich noch Kuchen backen, Kartoffelsalat machen und Eure neuen Laufräder hübsch verpacken muss):

Eine Wasserstandsmeldung zum 2. Geburtstag (die Ihr in einem viertel Jahrhundert gern mit dem eigenen Nachwuchs abgleichen dürft). Was Ihr inzwischen könnt:

Erstens: 70 Wörter sagen. SIEBZIG!

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Sprachbeurteilung beim Kinderarzt. Euer Papi und ich mussten ankreuzen, welche dieser Wörter Ihr schon sagt

Wieso ich das so genau weiß? Vergangene Woche war die U7. Ich hatte vorher gelesen, dass Kids in Eurem Alter 20-50 Wörter sagen können sollten, ging im Kopf die gängigsten Begriffe durch und kam auf grob geschätzt 20. Passt schon, dachte ich. Dann aber füllten wir beim Kinderarzt einen Fragebogen aus, mussten Wörter ankreuzen, die Ihr schon drauf habt. Wir ergänzten weitere, die uns einfielen, sammelten sie in einer Liste im Handy. Und kamen tatsächlich, und das hätte ich vorher echt nicht gedacht, auf 70. Und zwar 70, die Ihr tatsächlich (mehr oder weniger korrekt) aussprecht, nicht nur versteht.

All die 70 Begriffe (die Ihr interessanterweise nahezu alle zeitgleich lerntet) hier aufzuzählen, wäre zu viel des Guten (Liste reiche ich Euch bei Interesse dann gerne separat nach), aber meine zwei Favoriten nenne ich Euch gerne: Du, Theo, hast Elli ja monatelang Thea genannt (war ja wirklich auch logisch). Jetzt hast Du ihren echten Namen für Dich entdeckt, und betonst ihn herrlich amerikanisch, in etwa so: ELL-LAY. Köstlich! Mein Wort-Liebling bei Dir, Elli: Achtneunzehn. Immer, wenn ich irgendetwas mit Euch zähle, beginnst Du nicht bei eins, sondern eben bei acht; neun und zehn, in einem Atemzug folgend. Zum Auffressen!

Zweitens: mich so dermaßen zum Lachen bringen.

Ebenfalls eine Lieblings-Wortkonstruktion Deinerseits, Elli: „Danke Mama“, wobei Du dies höflichst immer und überall anwendest, passe es oder eben nicht: Du sagst nicht nur „Danke, Mama“, wenn ich Dir z.B. etwas gebe, sondern auch wenn ich Dir sage, dass ich Dich lieb habe. Oder dass Du gut gegessen hast, oder wenn ich frage, wie Du geschlafen hast. Ich freue mich dann immer so sehr über Deine süße Danksagung, dass Du dies vermutlich als Aufforderung siehst, den Zwei-Wort-Satz möglichst bald erneut anzubringen.

Und Du, Theo? Verursachst ebenfalls regelmäßige Schmunzel-Attacken. Beim Straße überqueren zum Beispiel. Ich, einen von Euch rechts an der Hand und einen links, bücke mich zu Euch herunter, erkläre Euch, dass wir warten müssen, bis kein Auto mehr kommt. Wenn Du dann ebenfalls niederkniest, wie selbstverständlich und so, als würde man das eben immer so machen am Zebrastreifen, kann ich mir das (laute) Lachen kaum verkneifen. Aber klar, wenn Muddi es vormacht…

Drittens: mich so dermaßen zum Weinen bringen!

Ich sag nur: Sommerfest in der Kita, Euer erster „Auftritt“. Auf der kleinen Bühne ein heilloses Durcheinander mit Euren Kitakumpels bei „Brüderchen, komm tanz mit mir“, trotzdem Krokodilstränen auf den Wangen Eurer Mami. Ach herrje!

Viertens: Eigene Entscheidungen treffen.

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Wo wir nachmittags so hingehen, das bestimmt IHR inzwischen.

Ihr sagt, ob Ihr Wasser oder Tee trinken wollt, ob ich Euch Reis oder Nudeln kochen soll, dass Ihr gerne Eier zum Frühstück hättet. Dass Ihr auf den Spielplatz wollt, oder lieber zu den Tieren im Streichelzoo. Dass Ihr „Peppa Wutz“ gucken wollt, und sogar, wenn Ihr müde seid und ins Bett wollt.

Fünftens: Aufzug holen und Türen selber öffnen.

Das ist neu, seit etwa zwei Wochen. Und macht die Sache mit der Aufsichtspflicht nicht gerade leichter.

Sechstens: Dinge mit Kernen essen.

Versucht hatten wir es immer wieder, geklappt hat es nie – bis diese Woche Montag. Ihr aßt eine Pflaume, nagtet das Fruchtfleisch ab, und spucktet den Kern aus. Wow! Nächster Schritt: Oliven, denn die LIEBT ihr erstaunlicherweise.

Siebtens: Durchschlafen – ohne Brust.

Und zwar jetzt wirklich. Von abends bis morgens, und ja: ohne Brust! Offen gestanden hätte ich nicht gedacht, dass offenbar tatsächlich das Stillen an den bis Mai teils noch ziemlich harten Nächten Schuld war. Aber dieses Abstillding, das wir inzwischen sehr ernsthaft und mit großen, konsequenten Schritten verfolgen, ist demnächst noch einmal einen kleinen Exkurs wert, auch das würde an dieser Stelle zu weit führen.

Achtens: Singen.

Eure Top-3-Charts: unangefochtener Platz 1 – Bu-da Ja-kopp. Platz 2 – Al-le mei-e Ent-ken. Platz 3 – Häb-bi börssai to juuuuu.

Neuntens: Euch alleine ausziehen.

Diese Woche waren wir beim ersten Entwicklungsgespräch in der Kita, und es fühlte sich ein bisschen an wie der erste Elternsprechtag: Da lagen zwei ultralange Bögen vor Eurer Bezugserzieherin, mit Themenfeldern zu bestimmten Dingen die Ihr schon könnt (oder eben nicht). Am Ende konnte man tatsächlich eine gewisse Punktzahl erreichen, und dazu gab’s eine (unfassbar rührende!) Beurteilung der Pädagogen. Einer der Punkte drehte sich ums alleine Ausziehen. Du, Theo, könntest das zwar, seist aber gern der kleine Prinz, der sich bedienen ließe (kann ich bestätigen).

Du hingegen, Elli, seist die Meisterin im Ausziehen. Man müsse nur sagen, dass es jetzt zum Mittagsschlaf ginge, da würdest Du Dir schon Deine Klamotten vom Leibe reißen. Hose: alleine aus. Socken: alleine aus, Schuhe sowieso. Shirt auch nahezu selbstständig, tja, und dann säßest Du oft so nackig da, nach dem Motto: und nun?! Coole Sache, meine Süße. Aber den Nerven Deines Vaters zuliebe legst Du diese Leidenschafts-Eigenschaft in den nächsten zehn bis zwölf Jahren lieber wieder ab…

Zehntens: Aufräumen.

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Aufräumen? In der Kita vielleicht. Zu Hause baue ICH derzeit täglich Euer neues Lieblingsspielzeug, die Eisenbahn, ab.

Und zwar diszipliniert – zumindest in der Kita. Erzählte ebenfalls die Erzieherin, und überhaupt waren Eure „Zeugnisse“ der Knaller! Ihr habt beide nahezu die volle Punktzahl erreicht, mich erneut mit Rührungstränen in den Augen da sitzen lassen. Sogar das Beißen, Theo, habe sich in der Kita nahezu erledigt (zu Hause im Übrigen auch). Du, Elli, hast dafür die Regie übernommen und ziehst jetzt ständig anderen Kindern an den Haaren – aber glaube ich den Erziehern, geht auch das in wenigen Wochen vorbei, da sind sie ziemlich sicher.

Wisst Ihr, was witzig ist? Um die Töpfchen-Sache, das berühmte „Trocken-Werden“ ging es in dem Entwicklungsgespräch mit keiner Silbe.

Vermutlich, weil jetzt einfach noch nicht die Zeit dafür ist. Und das ist total okay! Ich meine: guckt Euch die zehn Punkte (die ich übrigens um zehn weitere ergänzen könnte, aber jetzt muss ich ECHT mal ran an die Geburtstagsvorbereitungen), an. Wenn Ihr weiter und ständig so viel dazu lernt wie jetzt gerade: dann dürft Ihr meinetwegen noch Hundert Haufen auf frische Wäscheberge setzen. Demnächst aber dann bitte auf die dunkle, ja?

Ich bin unfassbar stolz auf Euch – und freue mich auf einen wunderschönen zweiten Geburtstag mit Euch!

Eure Zwillimuddi

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