Wie mein Handy mit Euch baden ging – und warum das ganz gut so war

Liebe Elli, lieber Theo,

es gibt ja bekanntlich Fragen, die man sich erst stellt, wenn man Kinder hat. Eine dieser Fragen stellte ich mir diese Woche ziemlich laut: Wieso wird einem unmittelbar nach der Geburt des Nachwuchses eigentlich jeder Mist angeboten, nicht aber eine (am besten noch im Kreißsaal abzuschließende und lebenslang laufende) Versicherung für Handy und/oder Tablet, die künftig einfach bedingungslos alle Schäden begleicht, die der neue Erdenbürger an diesen Geräten verursachen wird…?!

Seit Eurer Geburt habt Ihr FÜNF iPhones geschrottet, zwei von Eurem Papa, drei von mir. Im Schnitt haben die schönen Apfel-Gerätschaften in unserem Haushalt demnach eine Lebensdauer von 4,6 Monaten – die Kosten für zerbrochene Displays und Co. wage ich gar nicht zu addieren.

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Das letzte Bild, das ich mit dem „alten“ Handy schoss: IHR in Freibad-Action

Stattdessen erzähle ich Euch lieber kurz von Attacke Nummer fünf: Donnerstagnachmittag. Nach unserer Freibad-Vollflop-Premiere im vergangenen Jahr (nach der ich mir eigentlich schwor, NIE wieder alleine mit zwei nicht schwimmenden Kleinkindern schwimmen zu gehen) versuchten wir die Sache mit dem Rudelbaden noch einmal. Und siehe da: Es war gar nicht so übel. Vor allem Du, Theo, hüpftest, die neuen Schwimmflügel stolz-liebend und vor Freude quietschend, durch’s Kinderbecken. Du, Elli, warst etwas verhaltener, aber in Deinem pink-weiß-gestreiften Badeanzug ebenfalls zu süß, um nicht fotografiert zu werden. Also nahm ich mein Handy mit an den Beckenrand – ein fataler Fehler (der die Schuldfrage am Ende zugegebenermaßen nicht ganz eindeutig beantworten lässt).

Denn zwischen Schnappschuss 3 und 4 kamst Du, Theo, plötzlich auf mich zugestürmt. Umarmest mich herzlich, schnapptest Dir kurzerhand mein Handy, kamst ins Straucheln, fingst DICH wieder, mein Telefon aber nicht: Blubb, blubb.

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Schönes Muster, nix dahinter: Mein gutes iPhone, kurz bevor es das Zeitliche segnete

Hektisches Abwischen mit einem Handtuch, ein kurzer Blick auf’s Display – offenbar alles in Ordnung. Erst abends entschied das gute Stück sich dagegen, den Vorfall ungeachtet zu lassen und zeigte sich plötzlich im modischen Streifen-Outfit. Neustart: keine Chance, Technik: komplett hinüber. Selbst Euer Papi, der bei uns der „Tech-Nick“ ist, wusste nicht weiter.

Freitag fuhr ich mit Euch in unsere Datsche – ohne mein Handy. Wir buddelten im Sand, fuhren mit dem Schlauchboot, planschten im See, beobachteten Fisch und Enten, sprangen auf dem Trampolin, entspannten im Strandkorb und machten Bobbycar-Ralleys. Ich checkte den ganzen Tag keine Mails, telefonierte nicht, hörte keine Mailbox ab, schrieb keine SMS oder WhatsApp, verschickte keine Sprachnachrichten, surfte nicht im Netz, sah weder bei Facebook noch bei Instagram oder Twitter nach, was da so los ist und las auch keine ePaper, Nachrichten oder Eilmeldung. Ich war einfach bei und mit Euch. Zu 100 Prozent.

Samstagfrüh joggte ich durch unsere Stadt (und wunderte mich einmal mehr, wie herrlich ausgestorben so eine Metropole in einem ihrer beliebtesten und sonst so überfüllten Stadtteile wirken kann: ich traf auf fünf Kilometern sechs (!) Menschen, und es war immerhin „schon“ 7.3o Uhr), ließ den Freitag noch einmal Revue passieren. Und spätestens, als die blöde Kuh in meinem inzwischen neuen Handy mir meine durchschnittliche Schnecken-Pace verkündete (ich korrigiere: „erst“ 7.30 Uhr, ich war noch nie ein guter Morgen-Läufer), da dachte ich: eigentlich war das ganz schön gestern, dieser handylose, technikbefreite und irgendwie automatisch viel entspanntere und entschleunigende Tag.

Verrückt, dass mein Handy erst baden gehen muss, damit ich das merke. Aber tatsächlich tat diese Auszeit so gut, dass ich beschloss, mir ab sofort eine Art Technik-Diät zu verdonnern. Ein handyfreier Tag pro Woche – ist das überhaupt noch möglich? Ich werde es mal versuchen: Ab sofort werde ich samstags mein iPhone iPhone sein lassen (wenn das jobmäßig hinhaut). Gut?

Sofern Ihr genau das mit den fünf Handy-Zerstörungen hattet erreichen wollen: ist angekommen (wenn auch etwas spät). Und selbst wenn nicht: DANKE! Für die Einsicht, zu der ich ohne Eure „Attacken“ vielleicht erst deutlich später gekommen wäre. 

Ich liebe Euch!

Eure Zwillimuddi

 

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