Herrlich oder herzlos? Warum wir Weihnachten alleine feiern

Liebe Elli, lieber Theo,

die Tage vor Weihnachten sind meist echter Mist. Wie schon mal erwähnt: Ich liebe die Adventszeit  – aber gegen Ende ist einfach immer Hektik hoch Hundert angesagt, das war schon vor Eurer Zeit so und wird sich vermutlich nie ändern. Ob mit oder ohne Kinder, ich kenne kaum jemanden, der sich in den vergangenen Tagen mal gemütlich mit ’ner Tasse Tee zu Hause hingesetzt und den Weihnachtstrubel einfach hat Weihnachtstrubel sein lassen.

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Nächtlicher Packmarathon – und das war erst der Anfang

Stattdessen rennen wir alle zur schlimmsten Feierabendzeit durch die verstopften Läden, um die letzten Geschenke zu besorgen, im schlechtesten Falle mit Kindern (so wie wir am Montag, autsch – verzeiht!). Kaufen noch schnell einen der letzten Tannenbäume und die Supermärkte leer, als wenn sie nie wieder öffnen würden (vor allem, wenn auf die Feiertage wie in diesem Jahr ein Sonntag folgt). Schieben uns wie die Lemminge über Weihnachtsmärkte, legen Nachtschichten ein, um Pakete zu packen und Weihnachtskarten zu schreiben – und werden auf den allerletzten Drücker fertig, oder auch nicht. Und vergessen dabei irgendwie, was wirklich wichtig ist.

Klingt katastrophal nach Klischee, aber genau darum gehts gerade in einem aktuellen Werbefilm, in dem ein alter Mann seinen Tod vortäuscht, damit die viel beschäftigte Familie zu Weihnachten anreist. 44 Millionen Klicks, wilde Diskussionen: Manche halten den Spot für total pietätlos, andere flennen schon bei Sekunde 5 los – ich gehörte offen gestanden zu letzteren.

 

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Armer, alter Mann: dieser Spot ließ mich weinen

Vielleicht, weil ich mich ertappt fühlte. Denn wir gehören zu den Menschen, die dieses Jahr NICHT quer durch das Land in vollen Zügen zur Verwandtschaft reisen. Stattdessen feiern wir heute „alleine“: Mama, Papa, Elli, Theo. Punkt, sonst keiner.

Glaubt mir, diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, denn hätte ich sie alleine getroffen, säßen wir jetzt in genau so einem vollen Zug wie und vor allem mit Hunderte(n) andere(n). Euer Papi plädierte fürs hier bleiben. Er hatte es nicht ganz leicht, aber am Ende gewann er.

Warum? Auch wir haben uns die Frage gestellt, was wirklich zählt. Und sind zu dem Schluss gekommen, dass es keine pauschale Antwort gibt, sondern dass das vielmehr von Jahr zu Jahr variiert.

Was zählt also 2015?

Vieles natürlich, für uns aber gerade vor allem IHR. Denn:

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Ihr zwei neulich beim Adventssingen, ziemlich brav und aufmerksam

ERSTENS erlebt Ihr in diesem Jahr Weihnachten das erste Mal bewusst. 2014 lagt Ihr ja eher so da wie das Jesus-Kind in der Krippe, dieses Jahr habt Ihr Adventskalender, Plätzchenbacken, Rolf Zuckowskis Winterkinder und sogar den Weihnachtsmann in der Kita kennengelernt – die Sache mit dem Christkind soll jetzt der krönende Abschluss sein. Und zwar in aller Ruhe!

Denn ZWEITENS wollen wir, dass Ihr diesen Zauber von Heiligabend spürt, und dass er nicht im totalen Trubel und Bescherungs-Wahnsinn untergeht. Sondern dass Ihr mit großen Augen den Tannenbaum bestaunt, den Euer Papi und ich heute Nacht geschmückt haben. Dass Ihr unter exakt diesem Euer hölzernes Parkhaus auspackt und Zeit und Raum habt, all Eure Autos mindestens einmal mit dem Aufzug hoch und über die Riesenrutsche wieder runter sausen zu lassen.

DRITTENS sind wir wirklich genug rumgereist in diesem Jahr, waren mindestens einmal pro Monat mehr als 500 Kilometer entfernt von zu Hause. Die meisten Reisen waren toll – aber ehrlich gesagt ist es fast immer noch schöner, zurückzukommen, weil Ihr Euch dann so herrlich freut, Spielzeug, Euer Kinderzimmer, die Wohnung wieder erkennt und einfach happy seid, wieder hier zu sein.

Den Spieß mit dem #Heimkommen (das ist der Hashtag zum oben erwähnten Spot) kann man also getrost auch umkehren: letztes Wochenende waren wir zu Opas Geburtstag in meiner Heimat, haben in einem Rutsch mit unseren Familien ein bisschen Weihnachten „vorgefeiert“. Der Rückweg am Sonntag, der war dann unser „Driving home for Christmas“. 

Denn Berlin, das ist nicht nur EURE Heimat – seit acht Jahren leben Euer Papi und ich jetzt hier, und auch wenn uns See, Wald, Luft & Co. in den Orten unserer Kindheit sentimental werden lassen, fühlt sich der Anblick von Fernsehturm, unser Kiez-Leben und der Großstadt-Trubel schon lange ebenfalls nach zu Hause an.

Kurzum: Für dieses Jahr haben wir richtig entschieden, und ich freue mich auf den Tag, den Nachmittag, den Abend mit Euch. Ich weiß aber auch: Spätestens wenn in der Kirche nachher Ur-Omas Lieblingslied Tochter Zion erklingt, werden bei mir wieder die Tränen kullern. Ich werde vor allem Eure Tante tierisch vermissen, weil wir allein während des Gottesdienstes ungefähr 38 Insider haben, über die nur wir lachen können.

Und überhaupt: Selbst wenn der Braten verbrennt wie letztes Jahr, auch wenn es wuselig ist mit so vielen Kindern, auch wenn die Bude zu voll und der Abend zu anstrengend ist – am Ende ist es doch so wie im Schluchz-Spot: Wenn alle zusammen sitzen, ist es ja doch schön. Denn der Trubel gehört irgendwie dazu wie die Kugeln zum Baum. Vielleicht müsst Ihr auch das mal kennenlernen. Vielleicht muss nächstes Jahr ICH die Weihnachtsdiskussion gewinnen. Vielleicht ist DAS dann sozusagen Eure Weihnachts-Lektion Nummer 2.

Jetzt aber erstmal Lektion Nummer 1: Stille Nacht, heilige Nacht (Ich weiß, dass Ihr von erst genannten nicht viel haltet, aber solltet Ihr noch auf der Suche nach einem Weihnachtsgeschenk für Eure Eltern sein, wäre DAS eine Idee)!

Fröhliche Weihnachten, meine liebsten Schätze!

Dicker Kuss von Eurer Zwillimuddi

P.S.: Ich kenne übrigens doch jemanden, der sich gerade entspannt zurücklehnt, und zwar gut 9000 Km entfernt von uns: die Zwillingsmädels aus der Kita haben vorletzte Woche ihre Eltern geschnappt und sind mit Ihnen nach Mauritius gedüst, geplante Rückkehr: im Januar. Die Tage schickte die andere Zwillimuddi Bilder von karibikähnlichen Traumstränden – und ich dachte nur: DIE machen alles richtig… Vor dem Winter flüchten, das fand ich eigentlich immer blöd. Aber dieser Dezember ist mit teils 15 Grad der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, also alles andere als ein klassischer Winter mit Schneemann-Schlitten-Wetter. Weihnachten am anderen Ende der Welt: also vielleicht eine Option für 2017 und Lektion Nr. 3 ;-)

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2 Gedanken zu “Herrlich oder herzlos? Warum wir Weihnachten alleine feiern

  1. Frohe Weihnachten euch Vieren!
    Wir haben es vor 26 Jahren genauso gemacht und ich habe dieses ruhige und wirklich besinnliche Weihnachtsfest noch gut in Erinnerung!
    Ist unser Päckchen angekommen? Passen die Söckchen oder sind sie zu groß? 🎅🏼

    Gefällt mir

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