Happy Birthday, Ihr Riesen-Babys! Und danke für DIESE Momente am 16. Juli 2014

Liebe Elli, lieber Theo,

wisst Ihr, wie oft ich mich dabei ertappe, dass ich von meinen „Babys“ spreche, wenn ich mit anderen über Euch rede? Oft, sehr oft. Dabei ist das natürlich schon lange großer Quatsch, denn heute werdet Ihr DREI. 36 Monate (oder auch: 156 Wochen / 1095 Tage (Mist, wir hätten eine 1000-Tage-Zwillis-Party schmeißen können!) / 26280 Stunden) seid Ihr schon bei uns – Wahnsinn.

Verrückterweise kommt mir dieser 16. Juli 2014 vor, als sei er in irgendeinem anderen Leben passiert. Doch so meilenweit er einerseits entfernt scheint, so intensiv sind dennoch die Erinnerungen an diesen Tag. Den detaillierten Schlüpfprozess habe ich Euch praktischerweise ja in meinem Buch bereits ziemlich ausgiebig beschrieben. Aber auch ohne dort nachzulesen, schießen mir direkt tausend Dinge in den Kopf. Dinge, die ich garantiert niemals vergessen werde, und von denen ich Euch heute eine winzige – und dem feierlichen Anlass entsprechend rein positive – Auswahl nennen möchte; nämlich die neun schönsten Momente des Tages, an dem ihr auf diese Welt kamt:

Moment Eins, 3 Uhr: Das Ding mit der Fruchtblase

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Eins der letzten Plauzenbilder – dieses entstand am Tag, als Deutschland Weltmeister wurde

Ich dachte in den Wochen vor Eurer Geburt in etwa 27 Mal, JETZT gehe es los, fuhr sogar einmal panisch und mitten in der Nacht in die Klinik, weil ich (während Euer Vater munter und nicht mehr ganz nüchtern Platten in einer Bar auflegte) fest davon überzeugt war, meine Fruchtblase sei geplatzt. Also, ich möchte ja nicht zu ekelig werden an dieser Stelle. Aber so viel vielleicht: Wenn die Fruchtblase dann wirklich platzt, überlegt man nicht mehr lange. Dann weiß man, dass es losgeht. Ich ging erstmal duschen, und genoss diese Gewissheit sehr: Heute also würdet Ihr zu uns kommen! Ich begann diese Kliniktasche zu packen, die ich eigentlich längst hätte fertig haben müssen.

 

Moment Zwei: 4.50 Uhr: Die Bügel-Erkenntnis

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Bügeln kann ja so schön sein.

Bisschen verrückt, aber während des Packvorgangs beschloss ich, mein Gebärshirt, Nachthemd, Jogger & Co. keinesfalls zerknittert mitnehmen zu können. Da Euer Papa noch tief und fest ratzte, man ja nachts um 4 jetzt auch nicht sooo viel bessere Sachen zu tun hat und ich den Gedanken sehr klug fand, mich ein bisschen von den langsam aber sicher kommenden Wehen abzulenken, begann ich zu bügeln. Ein Teil glätten – eine Wehe, ein Teil glätten – eine Wehe; und-so-weiter-und-so-fort. Wäschedinge gehören, vorsichtig formuliert, nicht gerade zu meiner Lieblingshausarbeit. Aber in diesem Moment war jeder Bügelmoment eine befreiende Wonne – gegen das, was da so in meinem Unterleib abging.

Moment Drei: 6.10 Uhr: Das besoffene Nilpferd & die magische Massage

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Die heilenden Hände Eures Vaters.

Von wegen tief und fest ratzen: Während ich das Bügeleisen längst in die Ecke geworfen hatte und mich, wenn es wieder mal losging, wie ein besoffenes Nilpferd (der Nachbarn zuliebe in ein Kissen beißend) an unserer Couch festklammerte, spürte ich plötzlich zwei Hände in meinem Nacken. Euer Vater hatte eigenen Angaben zufolge die Geräuschkulisse im Wohnzimmer aus dem Bett heraus akribisch analysiert und offenbar tatsächlich die Zeit gestoppt – jetzt verpasste er mir die weltschönste Massage aller Zeiten. Allerdings mahnend darauf hinweisend, dass wir doch mal los sollten, bei dieser fünfeinhalbminütigen Wehen-Frequenz. Ich zierte mich nur kurz, aber mein Argument, dass man vor sieben doch nirgends anrufen könne und dass Hebamme Sissi sicher noch schlafe, zündete irgendwie nicht. Wir fuhren also mal los.

Moment Vier: 6.37 Uhr: Die Namensfindung auf der Danze

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Lilia & Leander hättet Ihr übrigens genießen, wenn ich alleine entschieden hätte.

Man könnte das jetzt sicher romantisieren, aber ich sage es mal so gerade heraus: Dein Vater hat mir Deinen Namen untergejubelt, liebster Theo. Und zwar bei Tempo 65, mitten auf der Danziger Straße, während ich auf dem Beifahrersitz eine Wehe versuchte wegzuatmen und mich dabei fragte, ob die Versicherung den Schaden zahlt, wenn ich gleich den Haltegriff aus dem Autodach reiße. Elli, Dein Name stand schon Monate fest, bei Dir, Theo, gab es zumindest auf meiner Liste noch ein paar andere Kandidaten. Aber wie wir also über die Straße, auf der wir im Übrigen einst unsere erste gemeinsame Bude in Berlin bewohnten, rasten, und Euer Papa nur „Elli und Theo“ sagte, da war die Entscheidung irgendwie gefallen. Ich wiederholte es selig-dusselig-lächelnd, als die Wehe abebbte, und hatte mir offenbar diverse Alternativen aus dem Hirn gegrunzt, es war plötzlich völlig klar, dass es nur diese Konstellation geben könnte: Elli und Theo.

Moment Fünf: 7.46 Uhr: Die Minuten der Entscheidung

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97 Minuten vor der Geburt.

Da hatte ich mich (nebenbei bemerkt auf den Ratschlag des Klinik-Chefarztes) so etwa ein halbes Jahr auf einen Kaiserschnitt vorbereitet – und nun stand eben dieser Chefarzt plötzlich vor mir und sagte: „Eigentlich können wir es jetzt doch auf natürlichem Wege versuchen. Gute Wehen, Muttermund vier Zentimeter geöffnet, in sechs bis acht Stunden haben Sie Ihre Babys.“ Äh, wie bitte? Ich war im Geburtsvorbereitungskurs ehrlicherweise immer leicht weggedöst, wenn es um diese Atemgeschichten ging, wo mir doch längst klar war, dass da jemand einfach meinen Bauch aufschneiden und Euch herausholen würde – jetzt also DOCH die Spontangeburt? „Wissen Sie was“, sagte der Doc, „wir gehen jetzt alle mal fünf Minuten raus, und Sie treffen eine Entscheidung.“ Auf einmal fand ich es feige, es nicht zunächst „normal“ zu versuchen, und frage mich sehr intensiv, ob ich es nicht eines Tages bereuen würde, diese höchstwahrscheinlich einmalige Chance auszuschlagen. Trotzdem entschied ich mich während einer ziemlich heftigen Wehe dafür, beim ursprünglichen Plan zu bleiben. Eine Bauchentscheidung, die Dir, Elli, möglicherweise das Leben rettete, wie wir später erfuhren.

Moment Sechs: 9.23 Uhr: THEO

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Küsschen 1 von 235000.

Es war exakt 9.20 Uhr, als die Ärzte begannen, meinen Bauch aufzuschneiden. Ich spürte, wie sie an meinem Unterleib herumzerrten. Keine Schmerzen, nur so ein Ruckeln, links neben mir die wohltuende Stimme der besten Hebamme der Welt, hinter meinem Kopf Euer Papi, dessen Hand ich fast zu Brei quetschte, rechts neben mir ein (ziemlich süßer) Anästhesist. Drei Minuten nach Beginn der OP das schönste Geräusch der Welt: THEO, Du weintest; nicht laut, so wie man es aus Filmen kennt, sondern eher leise und verhalten. Ich hörte nichts mehr um uns herum, sah nichts mehr, blendete die Welt um mich herum aus: Da warst nur Du, und schienst Dich in Zeitlupe zu bewegen. Ich küsste Dich auf die linke Wange. Diese warme Haut, Blut und Käseschmiere scheißegal: mein Herz schmolz, mein Körper glühte. Tränen, bei mir, bei Eurem Papi. Hallo, Sohn. WOW.

Moment Sieben: 9.26 Uhr: ELLI

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Mein Glückshaubenbaby! Nur eins von 80.000 Kindern kommt so zur Welt

Plötzlich Aufregung im OP, Schluss mit Slowmotion, mein Puls vervierfachte sich gefühlt. „Was ist los?“, fragte ich leicht panisch – doch die Gesichter der Geburtshelfer schienen eher erstaunt als beunruhigt. „Wir haben hier eine Glückshaubengeburt“, erklärte der Doc. Eine was?! Dich, Elli, konnten die Ärzte in der intakten Fruchtblase aus dem Bauch holen – eine sehr seltene, aber besonders schonende Art der Geburt, die offenbar im Mittelalter als Symbol für großes Glück galt. Außerhalb des Mutterleibs stachen sie die Fruchtblase auf – es war 9.26 Uhr, als ich mich zum zweiten Mal in meinem Leben auf den ersten Blick und Hals über Kopf verknallte. „Sie hat ein wunderschönes Puppengesicht“, sagte Sissi. Mein Oberkörper bebte, ich schluchzte laut auf, vor Glück, vor Erleichterung, vor Stolz, Tränen überall.

Moment Acht: 16.30 Uhr: Kuschelalarm.

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Beste Droge: Oxytocin.

Wir fuhren an diesem Tag noch unzählige Male mit der krassesten Gefühlsachterbahn überhaupt, denn kurz nach der Geburt und den ersten Kuschelmomenten wurdet Ihr doch beide auf die Intensivstation verlegt. Doch von dem Hormonchaos und diesen größten aller Sorgen will ich heute nichts schreiben, wir wollten ja bei den TOLLEN Momenten bleiben. Und ich sage Euch: TOLLER als Euch beide in meinen Armen liegen zu haben geht nicht. Schaut Euch an, wie beduselt ich auf diesem Foto gucke, – Ihr wogt zusammen gerade mal so viel wie viereinhalb Pakete Mehl, und trotzdem hat mich nie etwas so umgehauen und überwältigt wie IHR es in diesen Minuten getan habt.

Moment Neun: 21 Uhr: Tschüss Sonne, hallo neues Leben.

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Frischluft schnuppern im sexy Krankenhausnachthemd

Im Rollstuhl schob mich Euer Papi abends in den Klinikhof. Wir sahen die Sonne hinter den Häusern verschwinden, und ahnten nicht im Ansatz, was in den nächsten Wochen so auf uns zukommen würde. In diesem Moment fanden wir uns ziemlich cool, so als Zwillimuddi und Zwillivaddi, waren schlicht selig und überglücklich, und vor allem fest davon überzeugt, dass Ihr einfach immer so viel schlummern würdet wie an diesem ersten Tag (is klar).

Diese neun Momente, sie waren der Beginn dieser Reise mit Euch, und nach ihnen folgten neun Millionen andere wunderschöne. DANKE, meine Süßen, für jeden einzelnen! Ihr seid der Knaller! Ich liebe Euch von hier bis zum Mond und zurück hoch eine Million.

HAPPY BIRTHDAY!

Eure Zwillimuddi

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