Von wegen „Oh du Fröhliche“: meine 2. Weihnachtszeit als Mama – und was ich mir vom Christkind wünsche

IMG_8361Liebe Elli, lieber Theo,

vor ziemlich genau einem Jahr durfte ich für das schöne Blog StadtLandMama ein paar Sätze über meine erste Weihnachtszeit als Mutter aufschreiben. Wenn ich diese Zeilen heute lese, staune ich erstens darüber, wie die vergangenen zwölf Monate verflogen sind und denke zweitens nicht verbittert, aber leicht zerknittert: Schlimmer geht immer.

Ich möchte Euch in diesem Brief einfach den Text von damals ergänzen und Euch erzählen, wie die Weihnachtszeit sich so verändert hat in den vergangenen drei Jahren. Wie sie „damals“ war, wie sie im ersten Jahr als Mama war – und wie sie heute ist.

Der nüchterne Tatsachen-Bericht:

Weihnachtszeit, damals: Plätzchen backen nach Feierabend, mit Freundinnen und viel Prosecco. Zutaten in die Schüssel, Mixer an, Lampen auch. Klatsch und Tratsch zwischen Küchenmaschine und Keksteig. Erstes Blech fertig, zweites auch, das dritte gleich hinterher, zack zack. Plätzchen auskühlen lassen, und die Köpfe bei einem Zigarettchen auf der Dachterrasse. Dann: Abpacken, die Backwaren-Vielfalt, in Dosen, Tütchen, Gläser, Namen auf Geschenkanhänger stempeln – fertig.

Weihnachtszeit, im ersten Mama-Jahr: Plätzchen Backen mit Freundin Lotte, die auch gerade Mama geworden ist. Es gibt Kaffee, koffeinfrei versteht sich. Eier, Butter, Zucker aus dem Biomarkt. Ich stille Dich, Elli. Mehl und Backpulver. Lotte stillt Ferdi. Schnell mal den Mixer an. Theo, jetzt wirst Du gestillt. Ist schon Backpapier auf dem Blech? Lotte geht wickeln. Ofen anmachen. Elli, Du weinst. Tragetuch, wo ist das Tragetuch? Unterm Strich schaffen wir nur die Kokosmakronen, die Vanillekipferlwürste werden bis auf weiteres in den Kühlschrank abgeschoben, der ineffizienteste Backnachmittag aller Zeiten ist beendet: denn Ihr drei Babys müsst ins Bett.

Weihnachtszeit, heute: Sich sehr viel weiser fühlen als letztes Jahr, man ist ja auf der Mamaschule sozusagen in die zweite Klasse versetzt worden und macht natürlich keine Anfängerfehler mehr: den Teig also am Vorabend zubereiten, Ansprüche runterschrauben. Back-Date mit Eurem Kumpel Leo, seine Mama Aline und ich legen gerade noch die Förmchen für Euch parat, da spielst Du, Elli, schon „Leise rieselt der Schnee“ mit der Puderzucker-Schachtel. Du, Theo, stehst mit Deinen neuen Woll-Pantoffeln knöcheltief im Mehl, während Leo mit seinem angenagten Schoko-Nikolaus ein Bild an die Backofentür malt: schmilzt ja auch einfach zu schön dort, wenn der Ofen gerade vorheizt. Von wegen ineffiziente Kokosmakronen-Bilanz – unsere diesjährige Auslese nach zwei Stunden in der Weihnachtsbäckerei: SIEBEN Kekse. Der Rest: im Ofen verkokelt, als wir Streit um den bunten Kreisel mit den „lieben Sieben“ schlichteten. 

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Das, was noch zu retten war: unsere bescheidene Auslese der vorgestrigen Weihnachtsbäckerei

Weihnachtszeit, damals: Die letzten großen Dienstreisen des Jahres. 2013 Mandela-Beerdigung in Südafrika, 2012 ein schlimmer Amoklauf in USA, Texte, Texte, Texte schreiben, noch ein Video schicken, nebenbei ständig twittern, iPhone, iPad, MacBook immer zur Hand. Weihnachtsgeschenke im Duty-Free-Shop am Flughafen kaufen.

Weihnachtszeit, im ersten Mama-Jahr: Die weiteste Reise geht nach Berlin-Moabit, wo der Kinderarzt sitzt, weil die ganze Familie rotzt und schnieft. Stand der Dinge an die besorgten Omas whatsappen. Zu Haus den Laptop abstauben, und beim Stillen auf der Couch die Carrera-Bahn für den Neffen ordern, klick klick, alles andere auch. Danke, Amazon, werde ich Kunde des Monats?

Weihnachtszeit, heute: Sich ernsthaft fragen, wie man den Kinderarzt dazu kriegt, einfach gleich hier einzuziehen? Der Rotz vom letzten Jahr: ’ne Lachnummer. Ja-ja, es hatten alle gewarnt vor der Viren-Schlacht in der Kita. Aber dass es nicht nur Rotz- und Schnief, sondern auch Fieber und Pocken im Dauer-Abo (und zwar für die ganze Familie) geben würde, das sagte niemand. Weihnachtsgeschenke: Baustelle hoch zehn. Es hängen ja noch nicht mal alle Pakete an Eurem Adventskalender. 

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Gut, dass Ihr noch nicht zählen könnt: Bis heute fehlen an Euren Adventskalendern je fünf Pakete

Weihnachtszeit, damals: Glühwein mit Freunden auf dem Weihnachtsmarkt, lästern über die Million Kinderwagen, die allen den Weg versperren. Danach versacken: kommt doch noch auf ein Weinchen mit zu uns – Spontan-Partys sind ja immer die besten.

Weihnachtszeit, im ersten Mama-Jahr: mit dem Doppelkinderwagen-XXL-Geschoss selbst so eine Punsch-trinkende Mutti sein, und nach diesem einen Langeweiler-Getränk schnell den Rückzug antreten – nicht, dass den Babys zu kalt wird.

Weihnachtszeit, heute: Weihnachtsmarkt, was war das nochmal? Buggy findet Ihr nur noch für maximal dreieinhalb Minuten am Stück gut; wenn wir laufen, brauchen wir aktuell für 20 Meter 30 Minuten (weil jeder Stein, jedes Blatt, jedes Auto, jeder Hund und überhaupt einfach alles auf dem Gehweg spannender ist als unser Ziel). Also gut, dann halt zu Hause Weihnachtsstimmung, vielleicht mal wieder die Gitarre rausholen? „Boah, das tut weh in den Ohren“, mäkelt Euer Papa, als ich zu singen beginne. MIR tut sein Urteil über meine musikalische Einlage weh, EUCH der Kiefer, weil Ihr gerade sämtliche Eck- und Backenzähne auf einmal bekommt, so tut uns zumindest ALLEN was weh. Weihnachtsstimmung: hinüber.  

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Fröhlich war in diesem vermeintlich friedlich-musikalischen Moment höchstens der Nikolaus im Notenbuch

Weihnachtszeit, damals: Kuschelige Kinoabende mit dem Gatten.

Weihnachtszeit, im ersten Mama-Jahr: Couch. „Hast Du das auch gehört?“ „Gehst Du  –  oder soll ich?“

Weihnachtszeit, heute: Endlich mal wieder mit den Mädels zum Ausgehen verabredet sein. Absagen, weil der Magen rebelliert. Nachts um drei den Notarzt bestellen statt noch einen Gin Tonic, weil ich im Bad aus den Latschen kippe. „Sie stillen seit 17 Monaten gleich zwei Kinder“, sagt der (natürlich leider auch noch süße) Sanitäter, „schon mal drüber nachgedacht, dass Sie einfach am Ende Ihrer Kräfte sein könnten?“ Tränen. In den folgenden Tagen schlafen gehen, wenn Ihr auch schlafen geht: die Jungs im Kinder-, die Mädels im Arbeitszimmer, damit wir alle pro Nacht nur noch zehn statt zwanzig Mal wach werden. 

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Rettungsdienst-Protokoll von Freitagnacht. Ihr fandet die rot-uniformierten Männer ziemlich toll

Ich liebe die Weihnachtszeit. Wirklich. Wie Ihr wisst, bin ich nicht schlecht im Positivieren von Dingen, zumal mir nichts ferner liegt, als Euch hier einen vorzujammern. Euer Papi und ich haben uns lieb, auch wenn das da oben anders klingt; ab und an schaffen wir es tatsächlich, über die katastrophalen Nächte und das Chaos einfach nur zu lachen. Und natürlich ist mir bewusst, dass es uns im Vergleich zu sehr vielen Menschen trotzdem sehr, sehr gut geht. 

Ich halte es deshalb sogar nach wie vor mit meinem Fazit von 2014: Wenn Ihr, wie so oft gerade, diese feuchten Schmatzer verteilt, die einem nicht nur das Herz, sondern den ganzen Körper wärmen; wenn Du, Elli, mir stolz alle Autos im Wimmelbuch zeigst, und Du, Theo, dazu laut „Tuut-tuut“ machst; wenn Ihr mit Euren witzigen Pinguinschritten auf uns zulauft, uns fest umarmt und dann den Kopf verträumt an die Schulter legt: dann sind Prosecco, perfekte Plätzchen-Pakete und Partys auch weiterhin un-fass-bar egal.

Aber dieses Jahr bin ich dennoch nicht ganz so genügsam wie 2014 und habe einen sehnlichen Wunsch: dass wir alle einfach mal wieder so richtig fit sind. Ne Tüte Gesundheit und ne ordentliche Mütze Schlaf vom Christkind, das wäre schön.

Verschniefte Grüße von Eurer Zwillimuddi

 

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Ein Gedanke zu “Von wegen „Oh du Fröhliche“: meine 2. Weihnachtszeit als Mama – und was ich mir vom Christkind wünsche

  1. Nach diesem Bericht freue ich mich ja fast, dass ich diese Weihnachten noch in der 1.klasse sitze 😆 Statt 6 Sorten Plätzchen und raffinierten Weihnachtscupcakes habe ich dieses Jahr 1.5 Sorten geschafft und aus lauter Verlegenheit die Tüten noch mit Marzipan Plätzchen aus der Fertigteig Rolle zum selbst schneiden und backen aufgefüllt 😂

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